JOHANN-PETER-ECKERMANN-REALSCHULE

WINSEN (LUHE)

 
Schulchronik
 
 
Es gibt nicht viele Realschulen in Niedersachsen, die auf eine so lange Tradition zurückblicken können, wie unsere Winsener Johann-Peter-Eckermann-Realschule. Ihre Wurzeln reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück.
 
 
1895: "Aufbauklassen"
 
Bereits im Jahr 1895 wurde die Einrichtung zweier "Aufbauklassen" im Rahmen der bestehenden Winsener Volksschule beschlossen. Das darf als die eigentliche Gründung der Winsener Mittelschule gelten. In dieser Zeit wurden 35 Schüler als Mittelschulklassen unter gehobenen Anforderungen unterrichtet. U.a. standen anfangs über viele Jahre hinweg Englisch, Französisch und Latein auf dem Stundenplan. Der Unterricht fand in dem im Jahre 1868 im vorderen Teil der heutigen Eckermannstraße errichteten und 1969 abgerissenen Schulgebäude statt.
 
 
1925: Eigenständigkeit der Mittelschule
 
Die Bestrebungen, den wachsenden Mittelschulzweig der Volksschule von dieser organisatorisch unabhängig zu machen, mussten infolge des 1. Weltkrieges über viele Jahre hinweg zurückgestellt werden. Erst im Jahre 1925 erhielt die Winsener Mittelschule ihre Selbständigkeit. Den Kreisgrenzen entsprechend, war ihr Einzugsbereich bis weit über 1970 hinaus außerordentlich groß. Viele Schüler mussten weite, zeitraubende und besonders im Winter äußerst beschwerliche Schulwege auf sich nehmen, um Winsen frühmorgens zu erreichen.
 
 
1929: Die Eckermannschule erhält ihren Namen
 
Als sich im Jahre 1929 zum 75. Male der Todestag Johann Peter Eckermanns jährte, war das für Winsen ein besonderes Ereignis. Denn, am 21.9.1792 in der Winsener Marktstraße geboren, war seit 1823 dem in ganz Europa hochgeachteten Dichter Goethe, der damals in Weimar lebte, bis zu dessen Tode im Jahre 1832 in tiefer Freundschaft verbunden. Eckermanns Hauptwerk "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens" erreichte große Anerkennung. Als Eckermann im Jahre 1854 in Weimar starb, war sein Buch bereits in verschiedene Sprachen übersetzt worden bzw. es waren Übersetzungen in Vorbereitung.So lag es also für die Winsener Honoratioren im Jahre 1929 nahe, anlässlich des herausragenden Eckermann-Jubiläums der einzigen höheren Schule der Stadt den Namen des großen Winsener Sohnes zu verleihen. In einem bürokratischen Akt erging zusammen mit einer Urkunde an den Magistrat der Stadt Winsen über die Abteilung für Kirchen- und Schulwesen der Regierung in Lüneburg der Erlass des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 22. Mai 1929, dass "die Mittelschule in Winsen den Namen 'Johann Peter Eckermann-Schule' erhält". Die Namensgebung wurde an Eckermanns Geburtstag am 21. September 1929 feierlich vollzogen. Zu diesem Anlass erhielt die seit vier Jahren eigenständige Mittelschule das Eckermanngemälde zum Geschenk, das seither das Schulleiterzimmer schmückt. 
 
 
1957: Einzug in das neue Schulgebäude
 
Die "alte Mittelschule" in der Eckermannstraße war längst zu klein geworden, um alle Winsener Mittelschüler unterbringen zu können. Auch der Vorläufer des 1955 gegründeten Gymnasiums, die 1952 mit drei Oberschulklassen aus der Mittelschule hervorgegangene "Oberschule i. E.", benötigte eigene Klassenräume. Für die Schüler beider Schulen fand in diesen und in späteren Jahren Unterricht in vielen außerschulischen Räumen in Winsen statt, sofern sie nur groß genug waren und zentral lagen: z.B. im damaligen "Haus der Jugend", im Gemeindesaal oder im Logenhaus. Spürbare Abhilfe, jedoch keine endgültige Lösung des Raumproblems brachte der Neubau der Mittelschule an der Bürgerweide. Er begann im Jahre 1955 auf einem Grundstück, dessen Eigentumsverhältnisse nicht unumstritten waren. Nach den Sommerferien des Jahres 1957 wurden die ersten beiden Trakte des heutigen Schulgebäudes bezogen. Der im Jahre 1960 fertiggestellte dritte Trakt blieb dem Gymnasium vorbehalten. Erst 1964 konnte der vierte Trakt in Gebrauch genommen werden. Seine Räume teilten sich die Eckermannschule und das (damals einzige) Winsener Gymnasium, ehe dieses im August 1970 seinen Neubau am Ende der Bürgerweide bezog. 
 
 
1978: Teilung der Eckermannschule 
 
Die unaufhörlich wachsende Schülerzahlließ die Eckermannschule - seit 1965 heißt sie Johann-Peter-Eckermann-Realschule - aus allen Nähten platzen. Außenstellen ("Dependancen") in der Polizeikaserne in der Luhdorfer Straße, der Kreisberufsschule, der Volksschule in der Eckermannstraße sowie in Stelle, dazu drückende Raumnot im Hauptgebäude an der Bürgerweide stellten alle Beteiligten vor kaum mehr lösbare Probleme. Als die Zahl der Schüler der Johann-Peter-Eckermann-Realschule im Jahre 1978 auf fast 1700 angestiegen war, wurde die Schaffung einer zweiten Winsener Realschule unumgänglich. Unsere Schule wurde geteilt, und im Sommer 1978 nahm die Realschule II in Roydorf den Unterrichtsbetrieb auf. Nach und nach entstanden auch in anderen Orten unseres einstigen Einzugsbereichs Realschulen bzw. Realschulzweige, sodass die Zahl der Eckermann-Realschüler seit 1978 beständig sank. 
 
 
Heute: Ehre und Verpflichtung
 
Den Namen des Goethevertrauten Eckermann führen zu dürfen, ist für eine Realschule zweifellos eine Ehre. Der Name "Johann-Peter-Eckermann-Realschule" stellt zugleich aber auch eine Verpflichtung dar. Denn der junge Eckermann glaubte an seine Fähigkeiten und besaß den festen Willen, etwas aus sich zu machen. Ein unbändiger Bildungshunger, vorbildlicher Fleiß und ausgeprägte Zielstrebigkeit waren die Grundlagen, mit denen Eckermann sich aus der bitterarmen Winsener Hausiererfamilie zu einem angesehenen Weimarer Schriftsteller emporgearbeitet hatte. In seinem bekannten Werk "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens" schreibt Eckermann daher auch, bei der Bildung gehe es darum, die "Gedanken der Besten nachzudenken" und sich "nicht am Mittelgut zu bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten". Nach diesem Bildungsleitbild sollten an der Johann-Peter-Eckermann-Realschule alle Beteiligten - Schulleitung, Lehrer, Schüler und Eltern - zum eigenen Nutzen im Stile Eckermanns nach Kräften streben.
 
 
Anmerkungen und Literaturhinweise
 
1 Bis 1965 lautete die offizielle Bezeichnung "Mittelschule"; danach wurden in Niedersachsen die Mittelschulen in Realschulen umbenannt.
2 Die Geschichte unserer Schule hat unsere frühere Konrektorin, Frau Antje Bremer, in ausführlicher Form zusammengestellt: Antje Bremer, Die Johann- Peter- Eckermann- Realschule in Winsen (Luhe); hrg. v. Heimat- und Museumverein Winsen (Luhe) und Umgebung e.V.; Winsener Schriften, Bd. 9, 2002; zu beziehen u.a. im Museum im Marstall und bei der Autorin
3 Weitere Informationen über J. P. Eckermann bieten unsere Seite sowie die umfangreiche Internetpräsenz > www.johann-peter-eckermann.de .

H. Hinkfoth, im Mai 2009